Polly. Der Stand der Dinge

Da ich gerade so unglaublich viele Nachrichten und Fragen zu Pollys Gesundheitszustand bekomme, mache ich hier mal einen Artikel, den ich bei Neuigkeiten ständig aktualisiere. Neuigkeiten unten.

Zunächst einmal: Vielen lieben Dank für so viel Zuspruch, Aufmunterung und für wirklich wertvolle Tipps. Wir machen hier gerade eine unglaublich harte Zeit durch. Es hilft wenig dagegen, aber zu wissen, dass viele an den kleinen Scheißer denken, tut manchmal besser.

Letzte Woche. Erste Zeichen.

Polly hatte letzte Woche erste Anzeichen für kleinere Schmerzen. Sie fiepte ab und zu, wenn man sie hoch nahm, oder konnte irgendwie schlecht springen. Ansonsten war alles normal. man denkt dann natürlich das übliche: Zerrung, Prellung - irgend ein Kleinscheiß halt, wie so oft. Am Sonntag dann ging sie erkennbar krumm und kam abends kaum noch hoch.

Montag, 18.11.

Wir sind dann Montag gleich früh zur Ärztin gefahren. In der Praxis hatte sie bereits echte Koordinationsstörungen und ist auch einmal über ihr Hinterbein auf die Seite gefallen. Ich wusste seit Jahren, dass sie Anzeichen von Spondylose hat. Ihr Röntgenbild ergab das auch wieder, zusätzlich zu einer leichten Krümmung der Wirbelsäule. Unsere (wirklich gute) Ärztin vermutete, dass dort ein Nerv eingeklemmt wird. Sow etwas kann passieren, gibt sich dann aber auch wieder nach kurzer Zeit. Polly bekam also eine Schmerzspritze, dazu Cortison und Vit. B für die Nerven. In jedem Falle sollten wir die Entwicklung beobachten. Da dachten wir noch, alles im grünen Bereich.

Abends bin ich mit ihr noch einmal raus gegangen, aber da konnte sie kaum noch stehen, geschweige denn sich lösen.

Dienstag, 19.11.

Die Nacht verlief sehr ruhig. Morgens früh, als ich sie in ihrem Körbchen begrüßte, drehte sie sich auf den Rücken und zeigte mir ihren Bauch. Das macht sie oft so, dann will sie am Bauch gekrault werden. Ich war da, weil die Bewegung so gut war, guten Mutes, dass es sich verbessert hat. Draußen dann der Schock. Ich habe sie auf eine Wiese getragen, abgestellt und sie fiel sofort um. Erst, nachdem ich ihr mit einer Leine um die Hüfte etwas Halt gab, konnte sie sehr mühsam ihre Geschäfte verrichten. Mir war aber da klar, dass es schlimmer wird. Die Ärztin riet telefonisch auch zur OP, daher fuhren wir nach Potsdam in eine Tierklinik. Was dann kam, möchte ich hier nicht öffentlich ganz detailliert schildern. Es war jedoch eine absolute Katastrophe. Weder wurde der Befund gelesen, noch das Blutbild, was Montags erstellt wurde. Erst hieß es, das müsse schnell operiert werden, dann merkte man, dass man keinen Termin hätte (erst wieder Donnerstag), dann hieß es, Donnerstag "wäre auch okay - keine Eile drin." Es ging dort nach meinem Eindruck nur um eines: Umsatz. Und den möglichst auch selbst machen. Man wollte dann auch noch ein Blutbild nehmen, obwohl die aktuellen Laborwerte offen auf dem Tisch lag. Ich sollte auch alle Medikamente absetzen und nur noch Novalgin geben, was eine Katastrophe gewesen wäre, weil sie bereits zwei Tage Cortison bekam, was man in keinem Fall einfach so stoppt. Kurzum: Interesse am Hund? Hab ich nicht gesehen. Interesse am Umsatz - so kam es mir vor. Ich habe dennoch einen Termin geblockt, um sicher zu sein. Und wir sind gefahren.

Mittwoch, 20.11.

Als wir Pollys Zustand gestern morgen sahen, haben wir sie genommen und sind zu den Kleintierspezialisten nach Berlin-Tegel gefahren, einer großen, sehr modernen Klinik. Dort wurde sie umgehend untersucht. Ihr rechtes Hinterbein zeigte fast kaum noch Reaktionen, zum Glück aber noch leichte Reflexe und auch Schmerzreflexe zwischen den Zehen. Es war also allerhöchste Eile geboten. Nach kurzer Wartezeit bot man uns dann an, ein CT/MRT zu machen, und da die kleine Polly dann eh schon unter Narkose stehen würde, bei Bedarf gleich eine Bandscheiben-OP anzuschließen. Die Ärztin war unglaublich einfühslsam, hat sehr gut erklärt, war wundervoll mit Polly und hat uns noch Zeit zum Abschied gegeben. Dann ging die Tür auf und meine Polly, seit 13 Jahren immer an meiner Seite, mein geliebter Augapfel, wird rausgerollt. Das ist so ein furchtbarer Moment, der einem so tief rein haut. Zum Glück war ein lieber Freund gerade bei uns zu Besuch und er fuhr uns hin und zurück. ich hätte gestern morgen kein Auto mehr fahren können.

Danach hieß es: Warten. Die Klinik meldet sich erst, wenn der Patient wieder wach ist. Oder wenn zwischendurch etwas passiert. Nach endlosen Stunden dann der Anruf: OP gelungen, heftiger Bandscheibenvorfall. Sie wacht gerade auf. Ich stand gerade am Auto und bin fast auf die Straße gefallen.

Die Klinik macht das sehr gut, erklärt, wie weiter verfahren wird und wann man sich wieder meldet. Sehr, sehr nette und einfühlsame Menschen dort.

Donnerstag, 21.11.

Eben kam der ersehnte Anruf. Polly ist wach, wohlauf. Sie frisst nichts (was ich wusste, die ist in solchen Situationen immer so). Ihr linkes Hinterbein kann noch nicht wieder stehen. Mit etwas Halt geht es auf dem rechten aber. es ist also praktisch der Stand von gestern. Was aber - O-Ton - super sei, dass sie sich von alleine lösen konnte. Man wolle sie jedoch noch dabehalten, was ich richtig finde. Es kann bis zu 6 Wochen dauern, bis Polly wieder "problemlos" gehen kann. Man kann zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Man kann nur hoffen, dass die Nerven wieder heilen.

Nun sitzt man so zwischen Erleichterung und erneutem Bangen. Man weiß nicht, was man denken soll. Aber man hofft. Polly ist ein Parson-Russell-Terrier, eine sehr zähe Heldin. Die heilte immer gut. Vor zwei Jahren wurde sie von einem Boxer unvermittelt in die Seite gebissen, wo dann ein großes Loch klaffte, wie eine 2-Euro-Münze. Einen Tag später war das schon wieder vergessen. Die kann das!

Wie es weiter geht? Ich weiß es nicht. Morgen kommen neue Tests. Dann ruft man wieder an. Besuchen werden wir sie nicht, weil das zu viel Aufregung ist. Vermissen ist gerade kein Parameter, auch wenn das verdammt weh tut. Ich hatte in den letzten Tagen unheimliche Angst davor, eine Entscheidung treffen zu müssen, die jeder Hundebesitzer irgendwann mal treffen muss.

Polly hat mich in den letzten Tagen immer so angesehen. Ich wusste, was sie von mir wollte. "Mach doch mal was - Du machst sonst immer alles. Warum jetzt nicht?" Anja und ich machen alles, was in unserer Macht steht. Viel können wir jetzt nicht tun. Finanziell übersteigt das alles gerade meine Möglichkeiten, aber das ist mir egal. Auch das ist nie ein Grund.

Ich habe mir mal einen Leitsatz gegeben: Wenn Du einen Hund hast, ist deine größte Aufgabe, ihm ein schönes Leben zu geben. Dafür tut ich alles. Und Euch halte ich auf dem Laufenden.

Neuer Anruf der Klinik!

Ich bin grad so unendlich froh! Eben kam ein neuer Anruf. Polly macht motorische Fortschritte! Sie bewegt das linke Hinterbein und pinkelt nun ohne große Mühe und Hilfe. Es sieht gerade wirklich gut aus. Ich kann gerade nicht mehr schreiben, aber das ist das Wichtigste.

21.11., 20:00 Uhr

Also, Polly hat echt Stärke. Die Ärztin sagte, sie habe in den letzten zwei Stunden beachtliche Fortschritte mit der Motorik des linken Hinterlaufes gemacht. Sie macht auch oft Pipi.

Heute Nacht wird versucht, die Schmerzinfusion zu stoppen und durch Tabletten zu ersetzen. Wenn das klappt, kann es sogar sein, dass wir sie zuhause weiter pflegen können. Dann kommt die Reha, Physio und so weiter. Das wäre toll. Aber abwarten. Erst mal ist es wichtig, dass die Nerven nicht abgeschaltet haben.

22.11., 9:20

Wir haben noch nichts gehört, was aber ein gutes Zeichen ist. Die Klinik ruft nur bei Problemen an, oder turnusmäßig. Heute Nacht wurde Polly von der Infusion genommen. Danach wird beobachtet, ob sie noch sehr starke Schmerzen hat. Diese Beobachtung dauert natürlich etwas, weil die Schmerzmittel ja eine ganze Weile nachwirken.

Die Klinik kümmert sich rund um die Uhr um den kleinen Scheißer. Die sind dort wirklich unglaublich. Sobald ich was höre, schreibe ich es.

Update. 12:00

Wir können Polly heute Nachmittag holen.

Update 18:30 Wir haben sie. Mehr morgen. Jetzt sind wir einfach nur glücklich.

23.11.2019

Die erste Nacht war ganz gut. Zwischendurch stand sie mal auf und pinkelte auf den Teppich. Völlig untypisch, macht sie nie, aber da war wohl noch viel Wasser in ihr.

Sie röchelt noch beim Atmen, was von der Narkose und dem Schlauch kommt.

Heute morgen war ich mit ihr draußen. Sie konnte, sehr wackelig aber ohne Umfallen, ein paar Schritte gehen. Und hat beide Geschäfte ohne Hilfe verrichten können. Völlig irre, wie die sich durchkämpft. Man merkt ihr an, was sie denkt: "Ich WILL jetzt gehen!"

In diesem Hund steckt so viel Wille. Heldin.

Später geht es zum Hausarzt zur Kontrolle. Wir haben ihr heute Nacht den Trichter abgenommen. Sie braucht den nicht. Leider geht das Pflaster ab, weil sie sich auf dem Rücken geräkelt hat. Aber nicht tragisch.

23.11., 20:00


Update! Superpolly macht riesen Fortschritte. War eben mit ihr draußen und sie konnte (und wollte) schon 50 Meter gehen. Auch kann sie das linke Hinterbein mittlerweile viel besser kontrollieren. Frollein ist echt der Hammer. Man sieht ihr den Willen, zu gehen, regelrecht an. Das wird, ich bin sicher. Nun ruht sie wieder.




24.11., 9:00


Sie macht sehr gute Fortschritte. Hier ein Video, wie sie schon wieder gehen kann. Zur Info: Am Mittwoch konnte sie nicht einmal stehen.

Dieses kleine, zarte Wesen hat so einen unbändigen Willen.




25.11. 9:00


Eben war ich mit ihr draußen. Das war sehr gut. Sie geht noch immer, ohne umzufallen. Ein mal landete sie auf ihren Hintern, als sie sich schüttelte. Aber das ist normal und was sehr gut ist: Sie kommt wieder alleine hoch.

Das mit dem Gehen wird Wochen dauern. Durch die gequetschten Nerven gab es keine Kommunikation mehr zwischen Hinterläufen und Gehirn. Und die müssen sich nun erst mal wieder gut verstehen lernen. Das Wichtigste war, dass die Kommunikation nach der OP überhaupt steht, und das tut sie. Alles andere ist langsames Training und eine Physiotherapie/Reha.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet uns, dass sie kaum was frisst. Manchmal geht ein ganz klein bisschen, wenn man es mit Leberwurst bestreicht. Das mit dem Fressen hat sich in den letzten drei Tagen verschlechtert. Ich hoffe, es liegt nur an ihrem Dickschädel.

Gleich gehts zur Nachkontrolle zum Hausarzt und dann kümmere ich ich heute um einen Physio-Platz.



25.11. 13:00



Kommen eben vom Arzt. Leider mussten wir den Tierarzt hier in Brandenburg wechseln. Die Praxis, die wir erst letzte Woche besucht haben, macht keine Termine. Man muss sich ins Wartezimmer setzen und abwarten, bis eine Sprechstundenhilfe rein kommt und man auf einen Zettel geschrieben wird. Leider drängeln sich dort Leute gern mal vor ("Ich war aber eher hier!"), so dass es jedesmal fürchterlich lange dauert. Polly ist ein Angstpatient und kann wegen starker Zitteranfälle nicht in Wartezimmern warten. Also saß ich im Wartezimmer und Anja und Polly draußen im Auto. Nach zwei Stunden sind wir wieder gefahren. Ich finde es unverhältnismäßig, nun alle 2 Tage 2 Stunden und mehr zu warten, nur damit mal kurz jemand sich die OP-Narbe ansieht. Haben jetzt eine sehr nette Ärztin, bei der man telefonisch Termine vereinbaren kann. Ich gehe nie davon aus, sofort dran zu kommen, aber wenn man so gar keine Termine machen kann, ist das eine Zumutung.

Die Untersuchung war gut. Die Wunde ist tipptopp und die Ärztin war verwundert, dass unser kleiner Scheißer sogar schon gehen kann.

Polly liebt ihre Anja über alles. Vorhin hat das dazu geführt, dass sie das erste Mal seit einer Woche ihre Rute bewegt hat und wedelte. Ich stand mit ihr an einem Baum, da sie Pipi musste und als sie fertig war habe ich gesagt: "Dann gehen wir jetzt wieder zu Anja, oder?" Und dann ging der Propeller los. Ein wirklich sehr gutes Zeichen. Die Neurologen würden stolz auf sie sein. Wir sowieso.

Ich habe auch eine liebe Nachricht aus Tegel erhalten, von den Kleintierspezialisten, in deren Klinik sie operiert wurde. Ich poste sie hier ran:




Unsere neue Ärztin hat uns auch eine Physiotherapeutin empfohlen, die uns in Kürze kontaktiert. Ich hatte es schon vermutet, laut Ärztin gibt es da sehr viele "schwarze Schafe". Wir freuen uns, wenn die Reha los geht.




Spenden

Es haben sich so viele Menschen gemeldet, die gern was Spenden wollen. Das berührt mich wirklich sehr. Aber: Ich kann sowas nicht. Ich bin nicht so. Natürlich könnt ihr alle Bücher kaufen, aber auch das ist gar nicht das Ziel dieses Artikels gewesen. Also, wir schaffen das schon. Auch ohne Spenden. Ich fühle mich auch nicht so richtig spendenwürdig, weil es da viel mehr Bedürftigere gibt. Allein schon deshalb kann ich sowas nicht.

Aber ich weiß das wirklich zu schätzen und bin sprachlos über so viel Hilfe. Polly, Anja und ich sagen DANKE. Vor allem an die, die jetzt statt Spenden hier Bücher kaufen. Ihr seid unglaublich.

Hier ein Artikel dazu

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