Bernd Cwielong ist tot.

Es war an einem Donnerstag nach der Messe in Düsseldorf 2015. Ich lag morgens früh nach den anstengenden Tagen auf der Messe völlig platt noch im Bett, als das Telefon ging. Dass es Donnerstags war, wird in diesem Text noch wichtig.


"Hallo Stephan! Bernd Cwielong hier!"


Bernd wollte eigentlich fragen, ob ich nicht Lust hätte, zur Leipziger Messe zu kommen und dort Vorträge zu halten. Im weiteren Verlauf des Gespräches fragte er mich auch, was ich mit meiner Varianta 18 "Digger Hamburg" machen wollte. Ich antwortete, dass ich Digger wahrscheinlich verkaufen werde, weil ich in den kommenden Saisons wohl nicht dazu kommen werde, ihn zu segeln.


"Ich nehme Digger!"


Bernd kannte Digger aus den Büchern und vom Blog. Ich hatte ihn ein, zwei Mal vorher gesehen. Er war Händler, offenbar der erfolgreichste weit und breit, und auf "seinem" Cospudener See hatte er eine richtige VA18 Szene aufgebaut. An den Regatten nahmen immer ziemlich viele Boote teil. Über 20 Variantas fahren auf dem See.



Die neue Varianta 18


"Bernd, da können wir mal drüber reden, aber ich weiß noch gar nicht, wie viel ich dafür nehme."


"Ist mir egal - ich kaufen den! Hast Du nen Trailer?"


Ich wusste, dass Mittelmanns Werft nebenan einen kleinen Trailer zu verkaufen hatte und erzählte es ihm.


"Nehme ich auch"


Die Produktion der VA18 war zuvor von der Dehler-Werft eingestellt worden. Varianta waren aber noch beliebt, wurden knapp und es bestand noch immer Nachfrage.


"Bernd, wie gesagt, wir können da gern mal drüber reden. Digger überwintert im Wasser in Kappeln beim ASC. Da liegt derzeit Schnee drauf. Lass uns doch irgendwann im März oder so treffen und dann guckste Dir die Kiste mal an."


"Nein, ich komme Samstag!"


Bernd war so. Bernd war ein Macher. Einige Monate nach dem Gespräch hatte er nach langen Verhandlungen die Rechte und Formen an dem Modell erworben und führte das Boot modifiziert unter "Die neue Varianta 18" weiter. Digger war immer so eine Ikone in der Szene, weil er die bekannteste Varianta 18 war. Bernd mochte Digger. Auch als Zugpferd.


"Bernd warte mal bitte, ich liege noch im Bett und hatte noch nicht mal einen Kaffee. Lass uns im Laufe des Tages mal telefonieren!


Ich legte auf.


Bernd war sehr euphorisch, als er begann, die VA18 wieder aufleben zu lassen. Er hatte mit der Polar-Werft in Estland eine sehr gute Produktionsstätte gefunden (die bauen auch das Folkeboot) und er bot das Schiffchen nun mit neuen, verbesserten Beschlägen und leichten Verbesserungen an. Man konnte sogar farbige Rümpfe bestellen. Kurz nachdem er mit der Produktion begann, hörte ich eine Weile nichts mehr von ihm. Die Weile wurde länger und länger. Irgendwann erzählte er mir in seinem typischen Bernd-Cwielong-Sprech: "Ich hab scheiß Krebs".